In Anlehnung an Dalis surrealistischen Kampf eröffneten Jugendliche und Pädagogen ihr neues Atelier mit einem Plädoyer für
Kunst und Kreativität.
Ehemals wohnten Schweine im alten Schuppen im Hof, der zuletzt als Sperrmülllager diente. Jetzt sind die Wände weiß getüncht,
Feldstaffeleien stehen bereit, helles Tageslicht durchflutet den Raum. Im Ruhebereich lädt eine gemütliche Sitzecke zum Klönen
und Entspannen ein. Aus Spendengeldern konnte der Umbau finanziert werden, der von Mitarbeitern des Hauses kostengünstig und
in kurzer Zeit vorgenommen wurde.
Zur Eröffnungsfeier am 2. Mai 2006 begrüßte der Einrichtungsleiter Christoph Ahlborn zahlreiche Gäste: Bewohner, Nachbarn,
Spender und Sponsoren. Walter Jansen, selbst engagierter Förderer, lobte die Einrichtung des neuen Ateliers als soziale Plastik
im Beuysschen Sinne, der notwendig eine langzeitliche, die Lebensqualität verbessernde Wirkung eingeschrieben sei. In den
Räumen des Jugendwohnheims stolpere man über eine Fülle von Bildern, die die Auseinandersetzung der jugendlichen Maler mit
den Künstlern der klassischen Moderne spiegelten. Malen, zeichnen, bildnerisches Experimentieren sei somit ein Feld zur Spannungslösung,
eine Möglichkeit, Sprachlosigkeit aufzubrechen.
Musikalische Beiträge zur Feier leisteten die Trommel- und Percussion-Gruppe sz4 und die hauseigene Jugendband unter der Leitung
des Mitarbeiters Piérre Wurm.
Seit fünf Jahren existiert die Ateliergruppe, in der sich Pädagogen und junge Bewohner regelmäßig treffen; um gemeinsam kreativ
zu sein. Geleitet wird die Gruppe von den Pädagogen Andrea Uebing, Markus Kreies und Natascha Wolff. Es findet kein Unterricht
statt, sondern jeder malt genau das, was er gerne möchte. Wenn einer der jungen Maler sein Können verbessern will, werden
ihm Techniken und Perspektiven gezeigt. Immer können sich die Teilnehmer aber frei entscheiden, ob und wann sie malen möchten.
Mancher kommt auch nur auf ein Gespräch vorbei. Die Regeln in der Ateliergruppe stellen nicht die Pädagogen auf, sondern das
Material. Diese Regeln sind ausgerichtet an dem sinnvollen und werterhaltenden Umgang mit Pinseln, Farben, Papier, Kunstbüchern,
Leinwänden. In der Ateliergruppe wurden bislang noch nie Grenzen oder Regeln verletzt.
Aus diesen Gründen nimmt auch Kathrin Müller, die sich zur Zeit an Landschaften und Stileben übt, die Maltermine wahr. Die
Neunzehnjährige besucht die Gruppe gerne, weil sie ein schöner Treffpunkt ist. Und das neue Atelier habe einfach ein schönes
Flair.
Dienstags im 14-tägigen Rhythmus trifft sich die Gruppe von 17.00 - 21.00 Uhr im neuen Atelier in der Kasinostraße. Nach dem
Motto Jeder kann malen und deshalb kann jeder mitmachen sind Interessenten herzlich eingeladen.