Stiftung Die Gute Hand - Förderung und Behandlung von Essstörungen im Gruppenalltag

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Heilpädagogisches Kinderdorf Biesfeld

Förderung und Behandlung von Essstörungen im Gruppenalltag im Heilpädagogischen Kinderdorf Biesfeld

Während in allen Gruppen des HPZ neben den anderen psychiatrischen Störungsbildern auch Kinder mit der Diagnose Adipositas (Fettsucht) behandelt werden hat sich die Heilpädagogische Wohngruppe Haus 2 auf die Behandlung und Förderung der Kinder mit der Diagnose Anorexia nervosa (Magersucht) spezialisiert.

Bei der Anorexia nervosa handelt es sich um ein für das Alter zu niedriges Gewicht bzw. einen bedeutsamen Gewichtsverlust, bei dem das Körpergewicht unterhalb 85 % des zu erwartenden Gewichtes liegt. Die Kinder und Jugendlichen haben trotzdem die Vorstellung zu dick zu sein.

Zur Aufnahme dieser Kinder im HPZ ist eine genaue Diagnostik erforderlich, zu der eine sorgfältige körperliche Untersuchung gehört, die von unserer Kinderärztin unternommen wird. Die weitere störungsspezifische Diagnostik in Form von Beobachtung des Essverhaltens, Interview mit den Eltern und testpsychologische Verfahren wird von den GruppenpädagogInnen, der Elternberaterin und dem für die Gruppe zuständigen Psychologen unternommen. In verschiedenen Besprechungen und Konferenzen, wie u.a. in der Erziehungsplanung werden die Beobachtungen und Ergebnisse diskutiert und falls nötig die Behandlungsmaßnahmen revidiert.

Die Behandlung der Essstörung in der vollstationären, heilpädagogischen Wohngruppe folgt einem multimodalen Ansatz. Dabei wird der Focus zunächst auf die lebensbedrohlichen Faktoren gerichtet. Die Kinder müssen in einen körperlichen und seelischen Zustand gebracht werden, der einen (heil-) pädagogischen bzw. psychotherapeutischen Zugang erst möglich macht. Mit Hilfe von Ernährungs- und Bewegungsprotokollen, Hilfestellung beim Essen (z.B. durch eine 1:1 Betreuung), Ernährungsberatung und regelmäßige Gewichtskontrollen wird den Kindern in einem eng strukturierten Rahmen die Unterstützung geboten, die es ihnen möglich macht, einen stabilen (Gewichts-) Zustand zu erreichen. Unterstützende Maßnahmen sind hierbei: Modellessen der Betreuerin bzw. der anderen Kinder, Überwachung der Nahrungszufuhr und eine enge Kontrolle der gewichtsreduzierenden Maßnahmen. Der Ernährungsplan wird wöchentlich mit dem Kinder- und Jugendpsychiater besprochen und der Gewichtshaltebereich für das Kind kontinuierlich gesteigert. Positive Verstärker und Belohnungen motivieren die Kinder. Bei Stagnation bzw. Abnahme des Gewichts werden im Gruppenrahmen zeitlich begrenzte Ruhezeiten für die Kinder eingerichtet. Bei schweren Fällen, d.h. wenn die betroffenen Kinder und Jugendlichen für eine längere Zeit am Stück unter den festgesetzten Gewichtshaltebereich fallen, ist eine zeitlich begrenzte Aufnahme in den klinisch-stationären Bereich möglich. Das HPZ steht mit den entsprechenden Kliniken in einem engen Kooperationsverhältnis.

Die Eltern werden von Anfang an in die Behandlung einbezogen. Die Elternarbeit wird dabei durch eine speziell ausgebildete und erfahrene Fachkraft geleistet. Die Ziele liegen vorwiegend darin, die elterlichen Kompetenzen im Umgang mit krankheitsspezifischen Alltagssituationen zu stärken (z.B. bei Essverweigerung), um eine Gewichtszunahme einzuleiten bzw. das Gewicht zu halten. Darüber hinaus soll eine Verbesserung der familiären Konfliktfähigkeit erreicht werden.

Bei Bedarf erhalten die Kinder und Jugendlichen mit einer Essstörung im Rahmen ihres Aufenthalts im HPZ eine medikamentöse Behandlung unter strenger ärztlicher Überwachung der zuständigen Kinderärztin bzw. des Kinder- und Jugendpsychiaters Professor Dr. Dr. M. Schmidt. Bei der medikamentösen Behandlung sollen in erster Linie Symptome einer anhaltenden, depressiven Verstimmung abgemildert oder z.B. mit Calciumpräparaten eine Osteoporoseprophylaxe vorgenommen werden.

Im Rahmen der allgemeinen heilpädagogischen Ausrichtung der Wohngruppe erhalten alle Kinder eine auf ihre Bedürfnisse hin ausgerichtete, heilpädagogische Übungsbehandlung oder tiefenpsychologische Psychotherapie. In den Therapien mit essgestörten Kindern geht es meist um die Umwandlung der die Figur betreffenden dysfunktionalen Gedanken, die Verbesserung des Selbstwertgefühls und um die Bearbeitung von akuten und chronischen Konflikten.