Stiftung Die Gute Hand - 30 Jahre Heilpädagogische Tagesgruppen

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Kinder und Mitarbeiter erzählen
Kinder und Mitarbeiter erzählen
Fastenaktion der HTG1
30 Jahre Heilpädagogische Tagesgruppen
Stadionbesuch beim 1. FC Köln
Die Abenteuergruppe
Norman Kalb (Berlin Thunder) zu Besuch
Arbeitstag in Haus Mosaik
Die Traumelfen im Bergischen Löwen
Geburtstagsfeiern und gemeinsames Frühstück in der Schule
Der Weihnachtsbasar in Biesfeld
Ein Besuch beim Imker
Sommerurlaub im Schwarzwald





Heilpädagogisches Kinderdorf Biesfeld

Heilpädagogische Tagesgruppe 1 feiert 30jähriges Jubiläum

Vor 30 Jahren wurde die Heilpädagogische Tagesgruppe (HTG) als eine neue Gruppenform zur Unterstützung und Förderung von Kindern aus belasteten Familien in Der Guten Hand gegründet. Auch heute noch ist diese teilstätionäre Form der Hilfen zur Erziehung gefragt. Aufnahme finden Familien, die oftmals schon zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten wie Erziehungsberatungsstelle, Logopädie, Ergotherapie, Psychotherapie, kinder- und jugendpsychiatrische Unterstützung oder auch ambulante Unterstützung im familiären Rahmen in Anspruch genommen haben, jedoch die Familiensituation weiterhin hoch belastet und eine kontinuierliche umfassendere Förderung des Kindes notwendig ist. Kinder, in den vier Heilpädagogischen Tagesguppen (und eine Intensivschule und Intensivtagesgruppe mit einem gesonderten Konzept) Der Guten Hand gefördert werden, profitieren von der Unterstützung im sozialen, emotionalen und/oder alltagspraktischen Bereich.

Die Vielfalt der Besonderheiten der Kinder ist groß: hyperaktive Verhaltensweisen, autistische Störungen, Ängste, Zwänge, emotionale Verunsicherung, aggressive Verhaltensweisen, altersunangemessene Unselbständigkeit, Bindungsstörungen, Teilleistungsstörungen u. v. m.
In jeder Gruppe werden 9 Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren betreut und gefördert. Ziel bleibt die Rückführung nach 2 - 3 Jahren komplett in das Elternhaus. In den beiden HTGs auf dem Gelände des Heilpädagogischen Kinderdorfes Biesfeld besuchen alle Kinder die einrichtungseigene Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung. Landläufig wird die Heilpädagogische Tagesgruppe oftmals in einem Atemzug mit einer Offnen Tür oder einem ausschließlichen Betreuungsangebot genannt, welches dieser komplexen Form der Förderung in keiner Weise gerecht wird. Dass in der Heilpädagogischen Tagesgruppe gerade Familien unterstützt werden, die umfassende Förderung benötigen, zeigen auch die Erkenntnisse unseres Forschungsinstituts quer: Die systematisch erhobenen Daten belegen, dass die Verhaltensauffälligkeiten von Kindern in den Heilpädagogischen Tagesgruppen insgesamt sogar stärker ausgeprägt sind, als bei Kindern, die in den Heilpädagogischen Wohngruppen gefördert werden. Dies wirft die Frage auf, wie eine angemessene Förderung dieser Kinder und Familien überhaupt in einem teilstationären Rahmen möglich ist. Neben einem sehr strukturierten Gruppenalltag, der den Kindern Halt gibt und Regeln, die Klarheit vermitteln, und einem heilpädagogisch ausgerichtetem Setting, dass die Fähigkeiten und die Fördernotwendigkeiten der Kinder berücksichtigt, möchte ich hier besonders die Vernetzung aller Beteiligten erwähnen.

Nur durch die enge Kooperation aller – Familie, Schule und HTG - ist eine derart komplexe Unterstützung möglich. Zu jedem der drei Bereiche gehören nochmals eine Vielzahl von Personen. Die Mitarbeiter der HTG übernehmen neben der eigentlichen Förderung in dem Zusammenspiel aller Beteiligten eine moderierende Rolle und fördern den notwendigen Informationsfluss.

Durch die Inanspruchnahme einer Heilpädagogischen Tagesgruppe erhält jedes Kind wöchentlich eine gezielte heilpädagogische Einzelförderung, psychomotorische Förderung und je nach Bedarf speziell ausgerichtete Förderangebote (wie z. B. Mädchengruppe, Abenteuergruppe). Da diese Förderung von denselben pädagogischen Mitarbeitern (oftmals mit spezifischer Zusatzausbildung) durchgeführt wird, die auch den Gruppenalltag gestalten, bleibt das Kind stets sowohl mit seinen einzelnen Bedürfnissen als auch als Teil der Gruppe im Blick.
Die Förderung wird durch eine psychologische und eine kinder- und jugendpsychiatrische Beratung begleitet. Durch die diagnostischen Möglichkeiten in der eigenen Einrichtung ist es auch zeitnah möglich, den Förderprozess entsprechend den Notwendigkeiten auszurichten und sicher zu stellen, dass das Kind weder unter- noch überfordert ist. Da die Bedürfnisse des Kindes bzw. der Eltern, die in der Heilpädagogischen Tagesgruppe gefördert werden, in den letzten Jahren zunehmend umfassender geworden sind, ist teilweise eine zusätzliche ambulante Unterstützung notwendig – zumindest vorübergehend. Auch hier ist der Erfolg von der engen Kooperation der Fachkraft des ambulanten Bereiches mit den Mitarbeitern der HTG abhängig. Im Laufe der Förderung durch die HTG kommt es auch immer wieder vor, dass Eltern trotz aller Bemühungen für sich erkennen müssen, dass eine teilstationäre Hilfe nicht ausreicht – eine sicher schmerzliche Erkenntnis, bei der eine intensive Begleitung bei der Entscheidungsfindung wichtig ist. Sofern das Jugendamt die weitere Förderung in einer Heilpädagogischen Wohngruppe befürwortet, bleibt es ein wichtiges Anliegen unsererseits Eltern und Kind bei diesem Übergang unterstützend zu begleiten.

Ein wichtiger Aspekt des Jugendhilfeangebotes der Heilpädagogischen Tagesgruppe ist die enge Zusammenarbeit mit der Schule. Bei den HTGs auf dem Kinderdorfgelände ist das Zusammenwirken von Schule und HTG besonders dadurch gegeben, dass alle Kinder unsere einrichtungseigene Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung besuchen. Da die Kommunikationswege kurz sind, erlebt das Kind, Schule und HTG als etwas, dass ineinander greift. Nach einem anstrengenden Schulvormittag ist es oftmals hilfreich dem Kind zunächst in der Tagesgruppe eine Pause zu gewähren, genauso wie besondere Erfolge in der Schule auch in der HTG gewürdigt werden. Schule, und damit verbunden auch die Hausaufgaben, als ein wesentlicher Aspekt im Leben des Kindes wird durch das Zusammenwirken der Sonderpädagogen und der päd. Mitarbeiter der Gruppe oftmals bald als weniger belastend erlebt. Manches Mal entwickelt sich über die erreichten Erfolge beim Kind auch wieder die Freude am Lernen.

Wesentlich für das Gelingen der Förderung durch die Heilpädagogische Tagesgruppe ist die enge Kooperation mit den Eltern. In ausführlichen Gesprächen mit den Eltern - teilweise unter Beteiligung des Kindes - findet etwa alle zwei Wochen ein Austausch über die Fortschritte und die weitere Förderung des Kindes und das familiäre Miteinander statt. Monatliche Familiennachmittage und ein jährliches Familienwochenende bieten die Möglichkeit des Austausches untereinander und dienen der Entwicklung von neuen Handlungsmöglichkeiten.
Um die Einbindung des Kindes in das soziale Umfeld zu fördern - besonders im Hinblick auf die Zeit nach der Förderung durch die HTG - wird die Aufnahme des Kindes in einen Verein und der Aufbau von Beziehung zu Gleichaltrigen wohnortnah initiiert und unterstützt, teilweise auch anfangs begleitet.

Neben dem Abbau von Defiziten findet der Ausbau von Kompetenzen besondere Beachtung – sowohl auf der Ebene des Kindes als auch auf der Ebene der Eltern. Nur eine Lösung die zwar mit Hilfe fachlicher Anleitung, aber aus der Familie selber heraus entwickelt wird, wird letztlich eine tragfähige Lösung sein. Jeder Schritt hin zu einer Veränderung ist für Familien oftmals nicht einfach und kann nur getragen werden, wenn er auf die individuelle Lebenssituation abgestimmt ist. Es ist zu beobachten, dass sich Lebenswirklichkeiten von Familien immer schneller ändern, die Anforderungen damit wachsen und das Jugendhilfeangebot der Heilpäd. Tagesgruppe individuell Antworten sucht und findet, wobei stets immer die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen eines teilstationären Angebotes Berücksichtigung finden müssen.

30 Jahre Heilpädagogische Tagesgruppe 1 in Der Guten Hand: Dies bedeutet alleine in der HTG 1 über 100 Kinder und Familien, die begleitet und gefördert wurden, damit verbunden unzählige Menschen, die durch Ihren Einsatz Ihren Beitrag zu diesem Angebot geleistet haben, dies bedeutet auch viele Menschen, die uns durch Ihre Hilfe – sei es durch persönliches Engagement bei alltäglichen Dingen (wie z. B. Gestaltung der Räume o. ä.) oder durch einen großzügigen finanziellen Beitrag unterstützt haben. Und somit ist das 30jährige Jubiläum vor allem ein Grund zu danken. Der Dank gilt allen, die auf vielfältige Weise zum Gelingen so mancher Förderungen beigetragen haben, die damit Kindern und Familien dazu verholfen haben, wieder zu einem neuen Miteinander zu finden und für sich neue Lebensperspektiven zu entwickeln.

Marion Halbsgut
Leiterin Heilpädagogische Tagesgruppe 1