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Vor 30 Jahren wurde die Heilpädagogische Tagesgruppe (HTG) als eine neue Gruppenform zur Unterstützung und Förderung von Kindern
aus belasteten Familien in Der Guten Hand gegründet. Auch heute noch ist diese teilstätionäre Form der Hilfen zur Erziehung
gefragt. Aufnahme finden Familien, die oftmals schon zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten wie Erziehungsberatungsstelle,
Logopädie, Ergotherapie, Psychotherapie, kinder- und jugendpsychiatrische Unterstützung oder auch ambulante Unterstützung
im familiären Rahmen in Anspruch genommen haben, jedoch die Familiensituation weiterhin hoch belastet und eine kontinuierliche
umfassendere Förderung des Kindes notwendig ist. Kinder, in den vier Heilpädagogischen Tagesguppen (und eine Intensivschule
und Intensivtagesgruppe mit einem gesonderten Konzept) Der Guten Hand gefördert werden, profitieren von der Unterstützung
im sozialen, emotionalen und/oder alltagspraktischen Bereich.
Die Vielfalt der Besonderheiten der Kinder ist groß: hyperaktive Verhaltensweisen, autistische Störungen, Ängste, Zwänge,
emotionale Verunsicherung, aggressive Verhaltensweisen, altersunangemessene Unselbständigkeit, Bindungsstörungen, Teilleistungsstörungen
u. v. m. In jeder Gruppe werden 9 Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren betreut und gefördert. Ziel bleibt die Rückführung nach
2 - 3 Jahren komplett in das Elternhaus. In den beiden HTGs auf dem Gelände des Heilpädagogischen Kinderdorfes Biesfeld besuchen
alle Kinder die einrichtungseigene Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung. Landläufig wird die
Heilpädagogische Tagesgruppe oftmals in einem Atemzug mit einer Offnen Tür oder einem ausschließlichen Betreuungsangebot genannt,
welches dieser komplexen Form der Förderung in keiner Weise gerecht wird. Dass in der Heilpädagogischen Tagesgruppe gerade
Familien unterstützt werden, die umfassende Förderung benötigen, zeigen auch die Erkenntnisse unseres Forschungsinstituts
quer: Die systematisch erhobenen Daten belegen, dass die Verhaltensauffälligkeiten von Kindern in den Heilpädagogischen Tagesgruppen
insgesamt sogar stärker ausgeprägt sind, als bei Kindern, die in den Heilpädagogischen Wohngruppen gefördert werden. Dies
wirft die Frage auf, wie eine angemessene Förderung dieser Kinder und Familien überhaupt in einem teilstationären Rahmen möglich
ist. Neben einem sehr strukturierten Gruppenalltag, der den Kindern Halt gibt und Regeln, die Klarheit vermitteln, und einem
heilpädagogisch ausgerichtetem Setting, dass die Fähigkeiten und die Fördernotwendigkeiten der Kinder berücksichtigt, möchte
ich hier besonders die Vernetzung aller Beteiligten erwähnen.
Nur durch die enge Kooperation aller Familie, Schule und HTG - ist eine derart komplexe Unterstützung möglich. Zu jedem
der drei Bereiche gehören nochmals eine Vielzahl von Personen. Die Mitarbeiter der HTG übernehmen neben der eigentlichen Förderung
in dem Zusammenspiel aller Beteiligten eine moderierende Rolle und fördern den notwendigen Informationsfluss.
Durch die Inanspruchnahme einer Heilpädagogischen Tagesgruppe erhält jedes Kind wöchentlich eine gezielte heilpädagogische
Einzelförderung, psychomotorische Förderung und je nach Bedarf speziell ausgerichtete Förderangebote (wie z. B. Mädchengruppe,
Abenteuergruppe). Da diese Förderung von denselben pädagogischen Mitarbeitern (oftmals mit spezifischer Zusatzausbildung)
durchgeführt wird, die auch den Gruppenalltag gestalten, bleibt das Kind stets sowohl mit seinen einzelnen Bedürfnissen als
auch als Teil der Gruppe im Blick. Die Förderung wird durch eine psychologische und eine kinder- und jugendpsychiatrische Beratung begleitet. Durch die diagnostischen
Möglichkeiten in der eigenen Einrichtung ist es auch zeitnah möglich, den Förderprozess entsprechend den Notwendigkeiten auszurichten
und sicher zu stellen, dass das Kind weder unter- noch überfordert ist. Da die Bedürfnisse des Kindes bzw. der Eltern, die
in der Heilpädagogischen Tagesgruppe gefördert werden, in den letzten Jahren zunehmend umfassender geworden sind, ist teilweise
eine zusätzliche ambulante Unterstützung notwendig zumindest vorübergehend. Auch hier ist der Erfolg von der engen Kooperation
der Fachkraft des ambulanten Bereiches mit den Mitarbeitern der HTG abhängig. Im Laufe der Förderung durch die HTG kommt es
auch immer wieder vor, dass Eltern trotz aller Bemühungen für sich erkennen müssen, dass eine teilstationäre Hilfe nicht ausreicht
eine sicher schmerzliche Erkenntnis, bei der eine intensive Begleitung bei der Entscheidungsfindung wichtig ist. Sofern
das Jugendamt die weitere Förderung in einer Heilpädagogischen Wohngruppe befürwortet, bleibt es ein wichtiges Anliegen unsererseits
Eltern und Kind bei diesem Übergang unterstützend zu begleiten.
Ein wichtiger Aspekt des Jugendhilfeangebotes der Heilpädagogischen Tagesgruppe ist die enge Zusammenarbeit mit der Schule.
Bei den HTGs auf dem Kinderdorfgelände ist das Zusammenwirken von Schule und HTG besonders dadurch gegeben, dass alle Kinder
unsere einrichtungseigene Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung besuchen. Da die Kommunikationswege
kurz sind, erlebt das Kind, Schule und HTG als etwas, dass ineinander greift. Nach einem anstrengenden Schulvormittag ist
es oftmals hilfreich dem Kind zunächst in der Tagesgruppe eine Pause zu gewähren, genauso wie besondere Erfolge in der Schule
auch in der HTG gewürdigt werden. Schule, und damit verbunden auch die Hausaufgaben, als ein wesentlicher Aspekt im Leben
des Kindes wird durch das Zusammenwirken der Sonderpädagogen und der päd. Mitarbeiter der Gruppe oftmals bald als weniger
belastend erlebt. Manches Mal entwickelt sich über die erreichten Erfolge beim Kind auch wieder die Freude am Lernen.
Wesentlich für das Gelingen der Förderung durch die Heilpädagogische Tagesgruppe ist die enge Kooperation mit den Eltern.
In ausführlichen Gesprächen mit den Eltern - teilweise unter Beteiligung des Kindes - findet etwa alle zwei Wochen ein Austausch
über die Fortschritte und die weitere Förderung des Kindes und das familiäre Miteinander statt. Monatliche Familiennachmittage
und ein jährliches Familienwochenende bieten die Möglichkeit des Austausches untereinander und dienen der Entwicklung von
neuen Handlungsmöglichkeiten. Um die Einbindung des Kindes in das soziale Umfeld zu fördern - besonders im Hinblick auf die Zeit nach der Förderung durch
die HTG - wird die Aufnahme des Kindes in einen Verein und der Aufbau von Beziehung zu Gleichaltrigen wohnortnah initiiert
und unterstützt, teilweise auch anfangs begleitet.
Neben dem Abbau von Defiziten findet der Ausbau von Kompetenzen besondere Beachtung sowohl auf der Ebene des Kindes als
auch auf der Ebene der Eltern. Nur eine Lösung die zwar mit Hilfe fachlicher Anleitung, aber aus der Familie selber heraus
entwickelt wird, wird letztlich eine tragfähige Lösung sein. Jeder Schritt hin zu einer Veränderung ist für Familien oftmals
nicht einfach und kann nur getragen werden, wenn er auf die individuelle Lebenssituation abgestimmt ist. Es ist zu beobachten,
dass sich Lebenswirklichkeiten von Familien immer schneller ändern, die Anforderungen damit wachsen und das Jugendhilfeangebot
der Heilpäd. Tagesgruppe individuell Antworten sucht und findet, wobei stets immer die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen
eines teilstationären Angebotes Berücksichtigung finden müssen.
30 Jahre Heilpädagogische Tagesgruppe 1 in Der Guten Hand: Dies bedeutet alleine in der HTG 1 über 100 Kinder und Familien,
die begleitet und gefördert wurden, damit verbunden unzählige Menschen, die durch Ihren Einsatz Ihren Beitrag zu diesem Angebot
geleistet haben, dies bedeutet auch viele Menschen, die uns durch Ihre Hilfe sei es durch persönliches Engagement bei alltäglichen
Dingen (wie z. B. Gestaltung der Räume o. ä.) oder durch einen großzügigen finanziellen Beitrag unterstützt haben. Und somit
ist das 30jährige Jubiläum vor allem ein Grund zu danken. Der Dank gilt allen, die auf vielfältige Weise zum Gelingen so mancher
Förderungen beigetragen haben, die damit Kindern und Familien dazu verholfen haben, wieder zu einem neuen Miteinander zu finden
und für sich neue Lebensperspektiven zu entwickeln.
Marion Halbsgut Leiterin Heilpädagogische Tagesgruppe 1
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