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Arbeitsweise/Vernetzung

Psychomotorik

Ein kleines M�dchen springt vom Rand in das Becken mit den Schaumstoffkissen

Jeder kennt es: Es ist Sonntag­nachmittag und die Frage steht im Raum: "Gehe ich heute noch spazieren oder verweile ich lieber auf dem gemütlichen Sofa?" Häufig gewinnt dann die Gemütlichkeit. Doch am Abend fühlt man sich nicht unbedingt besser. Aktiviert man sich aber selbst, wächst schon während des Spazierganges die Gewiss­heit: "Das war die richtige Ent­scheidung!" Der Aktive beginnt, sich körperlich wohlzufühlen und ist vielleicht sogar motiviert, nach dem Spaziergang noch eine lästige Schreibtischarbeit zu erledigen, die schon lange auf ihn wartet. Insgesamt ist der Spaziergänger konzentrier­ter und motivierter als der, der gemütlich auf der Couch liegengeblieben ist. Genau diese Tat­sache hat unmittelbar mit dem grundlegenden Gedanken der Psychomotorik zu tun.

Sprachlich verbindet das Wort Psychomotorik die Begriffe See­le (altgriech.: Psyche) und bewe­gen (lat.: movere) miteinander. Der Fachausdruck betont damit die enge Verknüpfung der bei­den Begrifflichkeiten. So wird verdeutlicht, dass sich psychi­sche Vorgänge in Bewegungen zeigen und umgekehrt oder dass Bewegungen psychische Prozes­se in Gang setzen können.

Bewegung: für die kindliche Entwicklung von großer Bedeutung

Bewegung ist ebenso für die kindliche Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Das belegen zahlreiche Forschungsergebnis­se. Darauf baut die pyschomoto­rische Arbeit auf. In ihrem Mit­telpunkt steht die Förderung der Ich-Kompetenz, der Sozial­kompetenz und der Sachkom­petenz. Dabei sind der Spaß am "Sich-bewegen", die Freude am selbstbestimmten erfolgreichen Tun, die kindgerechten Angebote und das gemeinsame Erleben die motivierenden Triebkräfte.

Drei Kinder im Schaumstoffkissenbad des Psychomotorikraumes

In der Psychomotorik werden verschiedene therapeutische Me­dien eingesetzt, zum Beispiel das Trampolin oder das Meerbett. Mit der Veränderung der physika­lischen Gesetze müssen die Kin­der und Jugendlichen sich auf eine ganz neue, unbekannte Art bewegen. Diese veränderten Si­tuationen regen die psychischen und kognitiven Prozesse der Per­son besonders intensiv an.

Die neuen psychomotorisch-the­rapeutischen Medien, wie auch der Raum als solcher, bieten ein wunderbares, geschütztes kindli­ches Experimentierfeld. Denn das Springen auf dem Tuch oder die Bewegungen in dem Meerbett be­dürfen der Konzentration, der Kör­perspannung, der Orientierung im Raum und der Bewegungsvor­stellung der Kinder und Jugend­lichen. Gleichzeitig wirken sich Vertrauensübungen, wie "Sich-in-das-Meerbett-fallen-lassen", positiv auf das Bindungsverhalten der Heranwachsenden aus.

Die gedämpfte Akustik im Meer­bett, die durch "Wegtauchen" entsteht, hat einen sehr entspan­nenden und beruhigenden Effekt. Davon profitieren besonders Kin­der, denen das Entspannen insge­samt schwerfällt. Durch die Nut­zung unterschiedlicher Schaukeln über dem Becken nimmt das Kind die Raumlage verändert wahr. So werden Gleichgewicht und Ko­ordination trainiert. Das kann beispielsweise auch für Kinder hilfreich sein, die Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung und dem Lesen haben. Denn auch beim Erfassen der Schrift spielt das Wissen um die Lage im Raum eine wichtige Rolle.

Die Kinder lernen in den Behandlungsstunden, sich selbst besser einzuschätzen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und diese zu akzeptieren. Zudem lernen sie, sich selbst zurück­zunehmen, aber auch ihren Standpunkt zu vertreten und sich mit anderen Menschen auseinanderzusetzen.

Ein Mädchen und ein Junge auf dem Rand des Schaumstoffkissenbeckens im Psychomotorikraum

Die Psychomotorik behandelt und fördert sehr vielfältige Bereiche, die sich oft ergänzen und sogar bedingen. Dabei sind die Möglichkeiten ebenso viel­fältig wie die Menschen, mit de­nen die Einrichtungen der Stiftung Die Gute Hand arbeitet.

 Da die hier betreuten Kinder und Jugendlichen einer be­sonderen Förderung bedürfen und sie die Pädagogen täglich vor neue Herausforderungen stellen, freut sich die Stiftung, die Kinder aufgrund des Psychomotorikraumes noch intensiver und gezielter fördern zu können. Es wird neue Angebotsmöglichkeiten geben, die differenzierter auf das einzelne Kind und den Jugendlichen abgestimmt werden können, um sie so im weiteren Entwicklungsprozess bestmöglich zu unterstützen.