Beitrag

Behandelte Störungsbilder

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)

Ein �lterer Mann schlendert mit einem kleinen Kind auf den Schultern durch einen Park

Die heutige Unterscheidung von frühkindlichem Autismus (früh sichtbare Beeinträchtigung von rückgekoppelter Interaktion, Kommunikation und Interessenspektrum), high functioning-Autismus (mit gleichem Spektrum, aber unbeeinträchtigter Intelligenz) und Asperger-Autismus (später erkennbar und ohne Beeinträchtigung der sprachlichen Kommunikation) ist nach wie vor vorläufig. Möglicherweise bestehen Übergänge zwischen den drei Formen. Für den Asperger-Autismus werden Verdünnungen bis in den Bereich normalen Verhaltens postuliert (so genannte Störungen des autistischen Spektrums, die nicht mehr die vollen Diagnosekriterien erfüllen).

Mögliche Ursachen: genetische Komponenten, Erkrankungen des Gehirns

Während man für den Kanner-Autismus und den Asperger-Autismus von einer hohen genetischen Komponente ausgeht, liegen den so genannten atypischen Autismusformen, die nicht immer alle Kriterien erfüllen, aber in der Regel in der frühen Kindheit beginnen, zum Teil Erkrankungen des Gehirns zugrunde (tuberöse Sklerose, fragiles X-Syndrom, Rötelnembryopathie). Es gibt eine Reihe autismusähnlicher tiefgreifender Entwicklungsstörungen, bei denen Sozialverhalten, Denken und Affekt beeinträchtigt sind.

Man geht heute davon aus, dass die Störung ihren Ursprung vor der Geburt hat und bestimmte Hirnstrukturen einbezieht, die für Denken, Verhalten, Fühlen und Lernen zuständig sind, also vorwiegend solche im Hirnstamm, aber auch im Kleinhirn. Letztere scheinen eine Rolle bei der Modulation von Lernen und emotionalem Verhalten zu spielen. Das Volumen bestimmter Hirnregionen erscheint vergrößert.

Häufigkeit

Häufigkeiten für den frühkindlichen Autismus werden heute mit 5 auf 10.000 Neugeborene angegeben, von denen ca. 70 Prozent einen Intelligenzquotienten unter 70 haben, also deutlich lern- oder geistig behindert sind, Häufigkeiten für den Asperger-Autismus mit 8 auf 10.000, je nach den zugrunde gelegten Kriterien auch mehr.

Im biografischen Verlauf von Menschen mit autistischen Störungen ergibt sich überwiegend eine relative Zunahme der Symptomatik, wobei nicht sicher ist, ob diese relative Zunahme Folge unzureichender Interventionen ist. Sicher ist, dass Epilepsien mit zunehmendem Alter bei Menschen mit Autismus vermehrt auftreten. Maximal 5 Prozent der Menschen mit frühkindlichem Autismus, inklusive der high functioning-Gruppe, leben später selbstständig, noch weniger in Partnerschaften. Die Versorgung autistischer Erwachsener ist nach wie vor unzureichend, aber auch angemessene Schulmöglichkeiten für autistische Kinder fehlen.

Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz autistischer Menschen fördern

Erwachsene mit autistischer Behinderung, die erhebliche Intelligenzeinschränkungen haben und deren Verhalten weniger gut beeinflussbar ist als das von solchen mit höherer Intelligenz, leben langfristig häufig in Einrichtungen für geistig behinderte Menschen. Die Lebensqualität von Erwachsenen mit high functioning-Autismus und mit ausgeprägten Asperger-Syndromen wird durch fehlende Betreuungsmöglichkeiten beeinträchtigt. Das öffentliche Interesse am Autismus, wie es zum Beispiel durch den Film "Rain Man" (1988) stark angeregt wurde, konzentriert sich eher auf Gruppen von autistischen Menschen mit höherer Intelligenz und besserer Kommunikationsfähigkeit, mit denen man sich verständigen und in der Kommunikation mit ihnen ihre Besonderheiten deutlich wahrnehmen kann. Die Eltern autistischer Kinder konzentrieren sich bei der Sorge um deren Entwicklung häufig stärker auf die schulische Ausbildung als auf das soziale Lernen. Eine verständliche Bevorzugung, die aber Einseitigkeiten schafft und die spätere Eingliederung autistischer Menschen nicht erleichtert. Denn deren Eingliederungsfähigkeit hängt mehr von ihrer Kommunikationsfähigkeit und sozialen Kompetenz ab.

Diagnose und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS): in Deutschland auf gutem Niveau

International ist die Förderung autistischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener stark von den in den jeweiligen Ländern vorherrschenden Theorien abhängig. Insbesondere in romanisch geprägten Ländern herrschen nicht die gleichen auf das Gehirn und die Genetik bezogenen Vorstellungen von der Entstehung autistischen Verhaltens wie in den angelsächsischen, skandinavischen und mitteleuropäischen Ländern und den von ihnen beeinflussten Regionen vor, so dass in Frankreich, Italien oder Südamerika beispielsweise psychotherapeutische Interventionen noch viel stärker bevorzugt werden. In Deutschland sind Diagnose und Erkennung auf einem guten Niveau. Darüber hinaus gibt es hinreichend kinder- und jugendpsychiatrische Kliniken und Fachärzte.